Philosophie

Als Tochter eines Hobbyspringreiters  mit eigenen Pferden auf eigenem Hof, wurde ich mit auf’s Pferd genommen bevor ich laufen konnte. Dem folgten Jahre des Spring- und Dressurtrainings und viel Reiten und auch Spielen mit unseren Pferden Zuhause. Da so manche Methode, die ich kennenlernte meiner Liebe zu unseren Pferden nicht gerecht wurde, setzte ich mich viel mit Horsemanshiptraining auseinander. Mit 18 reiste ich das erste Mal nach Arizona auf eine Ranch und arbeitete in den nächsten Semesterferien dort. Wieder zurück wollte ich nicht mehr Dressurreiten und nahm Westernreitunterricht. Mein damaliges Pferd startete ich vor allem nach den Lehren von Peter Kreinberg neu und es war unglaublich wie fein und höflich er wurde. 

 

2005 lernte ich dann meine damalige Trainerin und Mentorin Christa Sachse kennen, die vor allem Freizeitpferde texanisch in Richtung Reining ausbildete und ab 2007 bildete ich mit ihr zusammen Pferde aus. Ich lernte viel über die Erziehung und die Rolle des Menschen als Teil der Herde, über Vertrauen und Achtung. In den folgenden Jahren gab ich viel Reitunterricht, bildete Pferde nebenberuflich aus und arbeitete hauptberuflich als Diplom-Geographin in der Klimaforschung.

 

2011 entschied ich mich dann, aus der Forschung auszusteigen und nur noch Pferde zu trainieren.  Ich denke jeder Trainer, der sich irgendwann von seinem Mentor löst, entwickelt seine eigene Art des Umgangs mit dem Pferd.  Während ich früher die Pferde eher in die Tiefe ritt und eine Methode der Ausbildung als gut erachtete wenn sie bei möglichst vielen wenn nicht sogar allen Pferden funktionierte, geht mein Training nun viel individueller auf jedes einzelne Pferd ein.

 

 

Ich habe in den vielen tausend Trainingsstunden mit meinen Kunden und ihren Pferden oder nur mit ihren Pferden bemerkt, dass das Training dann schnell und entspannt funktioniert und große Fortschritte gemacht werden können, wenn der ganze Umgang, die Anforderungen und das Umfeld darauf abzielt, den Stress für das Pferd möglichst gering zu halten und vor allem auf Stresssignale beim Pferd zu achten.  Gerade die eigene Körperspannung entscheidet hier über Erfolg oder Misserfolg. Ein Pferd in die Lage zu versetzen, die Situation zu begreifen, sie als nicht bedrohlich zu bewerten und sich in ihr entspannen zu können, ist der Schlüssel zum Erfolg und vor allem zu einem Pferd, welches sich wohlfühlt.  Die Grundausbildung  eines rohen Pferdes mit Schritt, Trab, Galopp, Stopp und Rückwärts brav unter dem Sattel ist so tatsächlich immer noch in 3 Monaten zu erreichen aber auf viel entspanntere Art. Buckelnde Pferde hatte ich seitdem beim Anreiten nicht mehr.

 



Während mir die angestrebte Selbständigkeit des Pferdes in der texanischen Westernreitweise sehr gefiel, fragte ich mich als ehemaliger Dressurreiter allerdings wie  ein Pferd – auch wenn es ein Quarter Horse ist, in der Lage sein soll, sich mit tiefem Kopf  zu versammeln. Die Extrema in Wettbewerben haben mich schon immer gestört und so interessierte ich mich mehr und mehr für die Altkalifornische Reitweise bei der mir zuerst vor allem auffiel, dass die Pferde mit mehr Aufrichtung geritten wurden. Allerdings widerstrebte mir hier, dass das System der Altkalifornischen Reitweise  das Reiten im Spade Bit zum Ziel hat. Nicht weil ich dies missbillige, sondern weil ich denke, dass ein Pferd ebenfalls sein Leben lang im Bosal oder im snaffle bit geritten werden kann. Das WIE ist entscheidend. Ich hege hohe Bewunderung für Tom und Bill Dorrance und ihren hohen Anspruch an das Training von und den Umgang mit Pferden. Ihre Formulierung, dem Pferd das richtige Gefühl geben zu müssen, entspricht meinem Gedanken zum Training und ist eine Maxime, die ich mir selbst beim Training mit Pferden auferlege.

 

 

 

 

Zu meinem Kundenkreis gehören vor allem Freizeitreiter, aber auch Dressur- und Westernturnierreiter, bei denen Missverständnisse zu Problemen führten und die Horsemanship als ihre letzte Rettung sahen. Und so war ich in den letzten 9 Jahren vor allem mit Pferden konfrontiert, die steigen, buckeln, durchgehen, ihre Besitzer angreifen, panisch in bestimmten Situationen reagieren, turniersauer oder keinerlei Druck mehr ertragen konnten,  sich nicht verladen ließen, extrem triebig oder stumpf im Maul wurden, usw. usw. Ich denke, dass der Weg zu Horsemanship meist durch ein scheinbar unlösbares Problem im Umgang mit dem Pferd eingeschlagen wird. Bei jedem dieser Pferde und bei jedem Problem habe ich viel dazu gelernt, denn gerade diese Pferde sind die, die das Beste in uns fordern und noch einiges darüber hinaus. Und während einige Probleme durch kleine Änderungen zu lösen waren, sind andere solch tiefsitzende Traumata, dass sie nur durch eine komplette Änderung des Umgangs und des Trainings zu beseitigen waren.

 

Egal an welchem Punkt  sich meine Kunden befinden, mein Ziel in der Pferdeausbildung ist immer ein sicheres, entspanntes, leichtes, durchlässiges souveränes Pferd, welches sich wohl in unserer Gesellschaft fühlt, egal ob es im Bosal, im snaffle bit, mit Western- oder Dressursattel geritten wird.  Der Weg dahin ist ehrliche Arbeit und vor allem Einfühlungsvermögen und Gefühl, welcher nicht durch Hilfszügel oder andere Ausrüstungsgegenstände erzwungen oder verkürzt werden kann.


 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Copper Mountain - Horsemens' ranch & lodge